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Der besondere Blick: Mit Diego durch den Sprengelkiez


Stadtszene Leopoldplatz
Start auf dem Leopoldplatz
Foto: A. Wispler

Kiezmentorin Anne Wispler vom QM-Gebiet Sparrplatz schildert ihre Eindrücke von der Führung durch den Wedding auf der Route 65 - "Afrika küsst Asien". Der 19-jährige Diego, vor acht Jahren aus Brasilien in den Sprengelkiez gezogen, zeigt House of Nations, das Eschenbräu, Nordufer und das quirlige Leben zwischen asiatischen und afrikanischen Einflüssen.

Leopoldplatz. Samstags um 12 Uhr vorm Karstadt an der Müllerstraße: Menschenmassen schieben sich vorbei an Obst- und SPD-Infoständen. Auf dem Leopoldplatz gegenüber bietet ein Flohmarkt Schnäppchen. Ich halte schon eine Weile Ausschau nach den Leuten von der Route 65 und werde langsam nervös.

Am bunten Route 65-Flyer in der Hand erkenne ich als erstes Susanne Pozek, Projektleiterin bei Kulturbewegt e.V.: Der Verein ist Träger der Route 65- und Route44-Touren mit Jugendlichen durch Berliner Kieze. Dann erscheinen auch der 19-jährige Diego, unser heutiger Führer durch den Sprengelkiez, und eine junge Frau, neu zugezogen und neugierig auf die Tour.

Vor acht Jahren kam Diego aus Brasilien in den Sprengelkiez. Er wohnte mit seiner Mutter lange und gerne in der Triftstraße. In der Osterkirche wurde er konfirmiert, hier traktierte er das Schlagzeug im Jugendkeller. Den Sprengelkiez findet er nett und angenehm im Vergleich zu seiner jetzigen Wohngegend im nördlichen Wedding. Unsere heutige Führung unter dem Titel "Afrika küsst Asien" wird leider vorerst die letzte mit Diego sein, denn der sympathische junge Mann verlässt Berlin zur Ausbildung Richtung Ruhrgebiet - er will Pastor werden...

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Diego auf dem House of Nations
Diego auf dem House of Nations
Foto: A. Wispler

Luxemburger Straße. Nach einer kurzen Einführung geht es in die lebhafte Luxemburger Straße. Hier reihen sich günstige Fast-Food-Läden aller Herren Länder aneinander. Auf wenigen Metern könnte man sich durch mehrere Kontinente futtern - für mich ein echtes Highlight.Nicht zuletzt wegen der vielen asiatischen Studenten, die in der Gegend leben, findet man allerlei fremdartige Genüsse jenseits von Döner und Falafel, z.B. selbst gemachtes Kimchi (milchsaurer Kohl) beim Koreaner oder Sommerrollen beim Vietnamesen.House of Nations - Reiskocher inklusive. Kurz darauf sind wir schon beim "House of Nations", dem höchsten Haus am Sparrplatz. Ganz exklusiv dürfen wir aufs Dach steigen. Diego erzählt, dass das Studentenwohnheim der Bürgermeister-Reuter-Stiftung sich seinen vorwiegend asiatischen Mietern angepasst hat. Ein Reiskocher gehört zur Grundausstattung…

Apfelsaft, Obstbrand und Bier vom Sparrplatz. Unter uns sieht man in den Biergarten vom Eschenbräu. Hier ist das Reich von Martin Eschenbrenner, dem Braumeister so wohlklingender Biersorten wie "Roter Wedding" oder "Alter Schwede". Wir treffen ihn bei der Arbeit und er stellt uns seine neueste Kreation, einen Obstbrand vor. Für eine weitere Spezialität muss man sich noch etwas gedulden. Aus dem ebenfalls hier erzeugten Apfelsaft reift in Holzfässern schon der erste Calvados Berlins. Na dann: Prost!...

Cricket auf dem Sparrplatz. Auf dem 2001 vom QM Sparrplatz angelegten Bolzplatz sieht man Ungewöhnliches. Rund 20 dunkelhäutige Männer stehen auf dem Feld und diskutieren, einer hält einen merkwürdigen Schläger in der Hand. Was wird hier gespielt?...

Ausländerbehörde und Afro-Asia-Shop. Die Sonne scheint intensiv. Einer der schönsten Orte im Sprengelkiez ist das Nordufer, wo jetzt endlich wieder alles grünt und blüht. Die Vorgärten der schmucken Gründerzeithäuser am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal sind kleine Blumenparadiese.

Weniger paradiesisch sind wohl die Assoziationen, die so mancher Weddinger mit der Ausländerbehörde jenseits des Kanals verbindet. Doch Diego hat keine schlechten Erinnerungen und ist froh, eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung zu haben.

Afro-Asia Shop. In der Torfstraße besuchen wir den Afro-Asia-Shop von Herrn Warrich aus Pakistan. Seit 1998 - damals gab es in Berlin kaum Läden mit afrikanischen Produkten - werden hier Dinge verkauft, die uns staunen lassen. Getrocknete Fische aus Afrika sind dabei, merkwürdig aussehende Wurzeln und sogar Shampoo, mit dem man sich Dreadlocks machen kann…

Weitere Eindrücke und Einblicke erhalten Sie auf dem Quartiersportal.

Text: A. Wispler (gekürzt)