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Düttmann-Siedlung: Herz aus Gold in einem Atelier ohne Fenster


Eingang zum Atelier, im Vordergrund blaue Tür, dahinter erste Bilder.
Hinter der Tür liegt das Reich des Dani Mansoor.

Wer einen Künstler in seinem Atelier besuchen will, hat meist gängige Bilder im Kopf vom Ort des kreativen Schaffens: hohe Räume, warm, hell, lichtdurchflutet. Irgendwo eine Staffelei, Paletten, viele Pinsel.

Doch in der Kreuzberger Düttmann-Siedlung, die seit Juni 2005 ein Quartiersmanagement hat, wird klar, dass auch einstige Sperrmüllkammern von wenigen Quadratmetern als Atelier dienen, Kunst beherbergen können. Fenster gibt es keine, in diesem Raum in der Graefestraße 60. Nichts ist groß, hoch. Wenig hell. In dieser Szenerie finden sich: farbenprächtige abstrakte Malerei, bearbeitete „Fundstücke“, darunter ein alter Stuhl mit einer Sitzfläche aus Nägeln, die ihre zerrissenen Geschichten jedem Zentimeter dieses Raums anvertrauen.

Mittendrin steht ein strahlender Dani Mansoor, umringt von Kindern dieser Siedlung. Voller Energie und Wärme begrüßt er sie. Dafür bekannt, immer ein offenes Ohr zu haben, schickt er nie jemanden weg, der etwas von ihm will, vor allem nicht die Kids. Sie lieben „ihren“ Dani, sind seine Dauergäste. „Die Geschichte, die mein Atelier erzählt, ist auch die Geschichte dieser Berliner Kinder mit den vielfältigen Nationalitäten und ihrer Eltern hier aus der Düttmann-Siedlung“, sagt Mansoor. „Es sind typische Geschichten von Menschen zwischen den Welten, zwischen den Sprachen, zwischen allen Stühlen“. Natürlich ist es aber vor allem Mansoors Geschichte, seine Kunst, die erzählt: von einem Berliner, einem eingebürgerten Deutschen, einem ehemaligen kurdischen Flüchtling aus dem Irak Saddam Husseins.

Kunst als Emotion, Sprache der Farben und Versöhnung


Willkommen sein und akzeptiert, das sind für alle Menschen wichtige Voraussetzungen, das Leben zu meistern. Als ehemaliger kurdischer Flüchtling weiß Mansoor genau, wie es ist, wenn man allerorts nicht besonders willkommen ist: weder im eigenen Land, noch dort, wo man Schutz sucht, wo neue Heimat sein soll. Sprachlosigkeit, die nicht nur an der Sprache selbst scheitert, sondern an einer gewissen Kälte zwischen den Menschen. „Es war für mich eine Befreiung, als ich Kunst als meine neue Sprache entdeckt und begriffen habe“, beschreibt Mansoor. Diese Erkenntnis ist zeitgleich das Ende des jahrelang in ihm schwelenden Konflikt, zurück in die alte Heimat zu wollen.

Blick auf den Schreibtisch, an den Wänden die Bilder.
Der Ort des Schaffens und ein Treffpunkt- das Atelier.

1988 fiel der Entschluss, in Berlin zu bleiben. „Die Kunst, hat mir geholfen meine inneren Konflikte, mein Schicksal als Flüchtling, auszudrücken“, sagt Mansoor. Kunst wird zum Mittel der Auseinandersetzung mit der eigenen Situation, die sich anderen Menschen unabhängig von deren Sprachen mitteilt. Vielleicht ist Mansoor deshalb ein Katalysator, ein Sprachrohr der Bewohner dieser Siedlung, die durch chronische Armut und deren schwerwiegende Folgen geprägt ist. In vielen Professionen zu Hause, als Fotograf, Mediator, Dolmetscher, Psychologe, ist Mansoor eine Art Kultur- und Konfliktdolmetscher.

„Die Arbeit mit Farben kann Grenzen und Sprachlosigkeit überwinden helfen“, sagt Mansoor, „Versteinerungen zwischen Menschen aufbrechen“. Nicht die verschiedenen Sprachen und Kulturen sind für ihn das zwischenmenschlich Trennende, sondern das Beharren darauf, die eigene Kultur oder Religion sei die Bessere. Die Einteilung der Welt, in „Gute“ und „Böse“, oben und unten, in „Zivilisierte“ und „Barbaren“ zu thematisieren, darin liegt für Mansoor ein Hauptantrieb seines Tuns, seiner Kunst, die verbinden will: „Meine Farben stehen dafür, die Menschen glücklich zu machen und das sollen sie sein, egal wodurch. Mein Atelier ist wie diese Siedlung. Ein Mosaik, aber zu diesem Mosaik gehört eben alles dazu“. Auch ein Atelier ohne Fenster.

Kontakt über das Quartiersmanagement Düttmann-Siedlung (Angelika Greis):
Telefon: 9212500-0; E-Mail: gekko-duettmann@nachbarschaftshaus.de
oder direkt mit dem Künstler Dani Mansoor: 0151 - 10 20 55 22, E-Mail: mansoorjan@freenet.de

Text: Daniela Berner, Fotos: Dani Mansoor