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Berliner Quartiersmanagement


Seit dem Fall der Berliner Mauer entwickeln sich die Berliner Stadtteile in ihrer sozialen und demographischen Zusammensetzung unterschiedlich. Aus einigen Berliner Quartieren zogen immer mehr gut verdienende Haushalte fort oder die dort lebenden Familien waren besonders stark von Arbeitsplatzverlust betroffen, so dass der Alltag in den Quartieren zunehmend durch soziale Probleme geprägt wurde. Straßen, Plätze und Grünanlagen litten zudem unter Verwahrlosung und die soziale Infrastruktur dieser Stadtteile wiesen deutliche Defizite auf.

Auf diese Entwicklung reagierte der Berliner Senat mit dem Berliner QM. Seit dem Jahr 1999 dient es dem Aufbau und der Stabilisierung von Nachbarschaften sowie der baulichen Weiterentwicklung und Aufwertung von Bildungseinrichtungen sowie
Gebäuden und Anlagen, die die Gemeinschaftsbildung und den sozialen Zusammenhalt in einem Stadtteil unterstützen.

Voraussetzung für ein neues, stabiles Gemeinwesen ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in den QM-Prozesse kontinuierlich einbezogen werden und die nachbarschaftliche Stabilisierung und bauliche Aufwertung ein gemeinsames Ziel und Vorgehen ist. Der Schulterschluss zwischen Bewohnerschaft, Verwaltung und den Stadtteileinrichtungen bildet die Basis für ein neues, solidarisches Zusammenleben im Quartier. Die Einberufung von Quartiersräten und deren ausschlaggebendes Mitwirken beim Einsatz der zur Verfügung gestellten Finanzmittel besitzt deshalb für das Berliner QM eine herausragende Bedeutung. Denn das Wissen der Menschen im Quartier ist Dreh- und Angelpunkt der gemeinsamen Anstrengungen.

Foto: S. Wolkenhauer

Daher bedarf es eines intensiven Austauschs in verlässlichen Strukturen. Das QM organisiert dafür neue Kommunikationsformen, bahnt neue Kooperationen an und regt deren Verstetigung an. In den Beratungsgremien des QM wird die Fachkompetenz der Verwaltung mit der Alltagskompetenz der im Stadtteil Lebenden produktiv miteinander verbunden.

Das Berliner QM ist ein Prozess der Veränderung und Strukturanpassung auf vielen Ebenen. Die geförderten Projekte, Initiativen und Maßnahmen im Stadtteil selbst bilden dabei einen wichtigen, aber vergleichsweise kleinen Bestandteil der
umfassenden Strategie. Das Grundgerüst erfolgreichen QMs besteht aus den folgenden Bestandteilen:

  • QM-Teams als zentrale Organisatoren im Stadtteil,
  • fachübergreifende Kooperation in der Verwaltung,
  • ein Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept für den Stadtteil,
  • Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe und Formen direkter Demokratie, wie Quartiersräte, Quartiersfonds
  • ein Budget zur Motivierung und Finanzierung für die Strukturanpassung,
  • eine Vielzahl an Projekten in den drei zentralen Handlungsfeldern Bildung, Erwerbstätigkeit sowie soziale und ethnische Integration,
  • zivilgesellschaftliches Engagement für einen solidarischen
  • Stadtteil.

Es hat sich gezeigt, dass die verfolgten Ziele vorrangig durch die Verbesserung der Bildungschancen und eine verstärkte soziale und ethnische Integration erreicht werden. Seit 2005 ist das Berliner QM deshalb vor allem auf die Verbesserung der
Lebenschancen ausgerichtet. Die baulichen Maßnahmen tragen flankierend zur Stabilisierung der Gebiete bei, mit ihnen entstehen z.B. Ort für mehr Nachbarschaft und das Miteinander auf den Strassen und Plätzen - kurz: da wo eine Bank ist, kann man sich auch hinsetzen und miteinander ins Gespräch kommen!

Jeder, der Interesse an einer stabilen Nachbarschaft im Quartier hat, ist ein willkommener Partner. Wohnungsbaugesellschaften,
Stadtteilzentren und  Schulen haben aufgrund ihres hohen
Eigeninteresses und der starken Verbundenheit mit einem Quartier
eine besonders wichtige Rolle. Aufgrund ihre herausgehobenen
Verantwortung und Ressourcen gelten sie als "Starke Partner" im
Berliner QM. Alle Partner zur Stärkung des solidarischen
Miteinanders im Quartier zu verbinden, begründet den
Netzwerkgedanken.

Das ehrenamtliche Interesse und Engagement der Bewohnerschaft gilt es dabei zu pflegen und durch Empowerment zu stärken. Ziel ist es, möglichst viel Verantwortung für die Entwicklung des Stadtteils direkt im Stadtteil zu verankern: Selbstorganisationskräfte sind zu wecken und Hilfe zur Selbsthilfe durch das QM beizusteuern.

Das Berliner QM verändert nicht nur das Zusammenleben im Stadtteil, sondern auch die Zusammenarbeit in den bezirklichen Verwaltungen. Ressortübergreifende Kooperation und respektvolles Miteinander tragen dazu bei, dass eine sozialräumliche Betrachtung in die fachorientierte Verwaltungsarbeit Einzug hält.
Lösungsansätze der Verwaltung sind erfolgreicher, wenn sie die alltagsweltliche Komplexität der Problemlagen berücksichtigen.

Aus europäischer Sicht ist das Berliner Quartiersmanagement angewandte Kohäsionspolitik: Zusammenhalt stärken, soziale und ethnische Integration fördern, integrierte Stadtteilentwicklung partizipativ und fachübergreifend umsetzen!

Nach über einem Jahrzehnt Berliner QM kann eine positive Bilanz gezogen werden. Der erfolgreiche Weg wird weiter beschritten.


Stand: Juni 2011   

Aktuelle Nachrichten aus dem Berliner Quartiersmanagement


Soziale Stadt


Auch nach der so genannten Bereinigungssitzung im Haushaltsausschuss des Bundestages vom 11.11.2011 bleibt es bei einer 60prozentigen Kürzung des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" im Vergleich zu 2009. Eine bisher mögliche Umschichtung von Städtebaufördermittel in das Programm Soziale Stadt wird auch in 2012 im Haushaltsgesetz des Bundes verboten.

Um die dadurch entstehenden Finanzierungslücke im Berliner Quartiersmanagement zu schließen, wird Berlin im kommenden Haushaltsjahr diese Mittel selbst bereitstellen. Eine entsprechende Formulierung des neuen rot-schwarzen Koalitionsvertrag sieht dies vor.

Koalition: „Bewährte soziale Arbeit“


Folgende Ergebnisse der Koalitionsvereinbarung von SPD und CDU sind für unsere Arbeit von zentraler Bedeutung: „Wir halten fest am Programm „Soziale Stadt“ und überprüfen die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen. Wir stehen zum Berliner Ansatz des Quartiersmanagements und zu den ‚Aktionsräumen plus‘. Wo es Sinn macht, werden wir eine auslaufende Bundesförderung durch Landesmittel ersetzen“, heißt es auf Seite 22 der am 21.11.2011 auf den Landesparteitagen von SPD und CDU beratenen Vereinbarung. Lesen Sie mehr...

Prof. Dr. Hartmut Häußermann verstorben


Er prägte maßgeblich die Konzepte der sozialen Stadtentwicklung,  war wissenschaftlicher Wegbereiter des Berliner Quartiersmanagements und engagierter Streiter für eine solidarische Stadt und Gesellschaft: Der Berliner Stadtsoziologe Prof. Dr. Hartmut Häußermann ist gestorben. 

Seine gewichtige Ermahnungen und plausiblen Ratschläge werden in  der Stadtentwicklungsdebatte fehlen. Gleichwohl wird die von ihm befeuerte Vision einer solidarischen Stadt in der Arbeit des Quartiersmanagements bestimmend bleiben. Lesen Sie mehr...

Senatorin Junge-Reyer wendet sich gegen Beschneidung der Städtebauförderung für 2012


Nach der Kürzung der Städtebaufördermittel im letzen Haushalt von 600 Millionen Euro auf 455 Millionen Euro sieht der jetzige Haushaltsentwurf der Bundesregierung nach vorläufigen Informationen eine weitere Beschneidung auf 266 Millionen Euro vor. Lesen Sie hier mehr...

Plädoyer für eine starke „Soziale Stadt“


Das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ müsse in seiner bisherigen Form erhalten und gestärkt werden, fordern Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Stiftungen, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen, die sich am 6. September 2011 im Rahmen einer Denkwerkstatt in Darmstadt gemeinsam mit Stadtvertretern über die Zukunft des Städtebauförderprogramms austauschten.

„Es muss jedem bewusst sein, dass die Stadtteile mit besonderem Handlungsbedarf nicht ‚repariert‘ werden müssen, sondern dauerhafte Begleitung erfordern“, hieß es. Lesen Sie mehr....

Aufstockung der Mittel für das Programm "Soziale Stadt" 2011 für Berlin offiziell beschlossen


In der Tagung des Hauptausschusses am 16.02.2011 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die Fortführung des Programms Soziale Stadt auf dem Niveau von 2010.  Damit stehen für das  Programmjahr 2011 Mittel in Höhe von 22,9 Mio. €  zur Verfügung, die auch für sozio-integrative Maßnahmen eingesetzt werden können. Hierbei ersetzt Berlin zu 100% die vom Bund gekürzten Städtebauförderungsmittel und sichert somit den breiten und integrativen Förderansatz des Berliner Quartiersmanagements. Wir bedanken uns bei allen Unterstützern und Mitstreitern!