Hilfe im Brennpunkt - Zehn Jahre Quartiersmanagement – Ein Rundgang durch den Reuterkiez


Anlässlich des Jubiläums "Zehn Jahre Quartiersmanagement in Berlin" hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Anfang Juli zu einem Rundgang durch den Reuterkiez in Berlin-Neukölln eingeladen. ddp-Korrespondentin Jelena Pflocksch berichtet:
Für die Schüler der Neuköllner Franz-Schubert-Grundschule gelten klare Regeln: "Ich will nicht bedroht, geschlagen oder erpresst werden" steht auf dem Schild "Goldene Regeln" am Schuleingang. Gewaltprävention ist eine der Fördermaßnahmen zur Verbesserung der schwierigen Situation an den Schulen des Berliner Problemstadtteils. Die Schulen sind aber nur ein Bereich, an denen die Quartiersmanager (QM) aktiv werden. Vor zehn Jahren wurde das QM-Programm in der Hauptstadt initiiert, um die soziale Situation der Menschen in besonders schwierigen Stadtgebieten zu verbessern. Seitdem ist einiges passiert, aber es gibt auch noch viel zu tun, wie ein Rundgang durch den Neuköllner Reuterkiez zeigt.
"Damals war das hier ein gepflasterter Hinterhof mit leer stehenden Garagen", sagt Quartiersmanagerin Ilse Wolter und zeigt über einen sauber angelegten Garten mit Gemüsebeeten. "Jetzt treffen sich die Nachbarn zum Pflanzen und zum Beisammensein im Hof." Auch ein Raum für Veranstaltungen wurde in dem Nachbarschaftsgarten gebaut. Nebenan gibt es ein sogenanntes Ökozentrum für Jugend und Beruf, geplant ist zudem ein Kinder- und Familienzentrum. "Wichtig ist vor allem, dass alle hier im Kiez kooperieren, nur so kann etwas verbessert werden", betont Wolter, die seit 2003 im Reuterkiez aktiv ist. Das QM hat sich deshalb ehrgeizige Ziele gesetzt. So vielfältige Bereiche wie Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit, Bildung und Infrastruktur zählen zu den Aufgabengebieten der Quartiersmanager.
In dem Gebiet rund um den Reuterplatz leben 19 000 Menschen, über 30 Prozent von ihnen sind Ausländer, die Arbeitslosenquote liegt bei 35 Prozent. In die Schlagzeilen geriet der Kiez vor ein paar Jahren durch Schülerkrawalle und darauf folgende Hilferufe von Lehrern an der Rütli-Hauptschule. "Mit Campus Rütli - CR2 entsteht hier jetzt ein Bildungs- und Kiezverbund, der für Kinder, Jugendliche und ihre Familien umfassende Angebote bietet und nicht nur die Bildung, sondern auch die Integration vorantreiben soll", erläutert Wolter das ehrgeizige Anliegen.
"Vor ein paar Jahren noch haben minderjährige Jugendliche die Straßen rund um den Campus tyrannisiert", erinnert sich Quartiersmanagerin Wolter. Das habe sich geändert. Maßnahmen der Jugendgerichtshilfe sowie vierwöchentliche Anwohnerversammlungen hätten zu einer wesentlichen Verbesserung beigetragen. "Die Kiezbewohner sind nun beispielsweise häufiger bereit, Anzeige gegen Randalierer und Kriminelle zu erstatten", ergänzt Luzia Weber, die auch als Quartiersmanagerin im Kiez arbeitet. Ein wesentlicher Kooperationspartner sei jedoch die Polizei. Diese ist auf dem Campus allgegenwärtig. So ist beim Betreten des Geländes an diesem Tag auch sogleich ein Beamter zu beobachten, der zwei Schüler auf Drogenbesitz kontrolliert.
"Es ist nicht einfach", sagt Wolter. "Aber die Menschen hier im Kiez wollen, dass sich etwas verbessert, und sind auch bereit, etwas dafür zu tun." So engagierten sich zahlreiche Bürger in verschiedenen Gremien des QM, um aktiv an einer Verbesserung ihres Umfeldes mitzuwirken. Am Anfang sei es schwieriger gewesen, die Bewohner vom Sinn der Projekte zu überzeugen. "Doch wenn sie sehen, was am Ende dabei herauskommt, machen sie mit", sagt die Quartiersmanagerin. Ein weiteres Problem seien natürlich auch Sprachschwierigkeiten, weshalb das QM auf Mitarbeiter aus Zuwandererfamilien angewiesen sei, die oft näher an die Menschen im Kiez herankämen.
Pinar Öztürk stammt aus der Türkei und ist seit 2008 Quartiersmanagerin im Reuterkiez. Beim Rundgang durch das Viertel stellt sie eine Fördermaßnahme vor, die ihr am Herzen liegt: der Spielplatz Hobrecht- / Ecke Pflügerstraße. "Hier kümmern sich zwei bis drei Betreuer um die Kinder, spielen mit ihnen und machen Bewegungsübungen." Seit Beginn des präventiven Projekts vor drei Jahren sei die Gewalt auf dem Spielplatz stark zurückgegangen und die Kinder kämen gerne. Im nächsten Jahr läuft die Fördermaßnahme allerdings aus. Um Mittel aus dem Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt", mit dem das QM finanziert wird, müsse immer wieder gerungen werden. Doch es besteht Hoffnung. "Als das Projekt das letzte Mal vor dem Aus stand, haben die Spielplatzkinder Unterschriften gesammelt und damit zur Fortführung des Angebots beigetragen."





