Jugendliche Straftäter im Fokus - Das Stadtteilplenum Moabit West im Mai



- Jugendrichterin Kirsten Heisig faszinierte durch ihre lebendige Erzählweise
Foto: G. Backhaus
Auf dem Mai-Stadtteilplenum im Nachbarschaftstreff "Stadtschloss Moabit" berichteten diesmal zum Schwerpunkt Jugendkriminalität u.a. Jugendrichterin Kirsten Heisig und Karl Bösel, Präventionsbeauftragter der Polizei, über ihre Arbeit.
Thema "aktueller Stand der Fördermittelvergabe Quartiersfonds III"
Beatrice Pfitzner vom QM informierte über den aktuellen Stand der Fördermittelvergabe: 510.000 Euro stehen für drei Jahre zur Verfügung. Zu den drei Schwerpunktbereichen wurden 51 Projektanträge gestellt, die meisten im Bereich Bildung und Erziehung. Die ehrenamtlichen Fußballtrainer des SV Minerva, die Moabiter Musiktage, "Brauchbar" und die Stadtteilzeitung werden auf jeden Fall zu den geförderten Projekten gehören.
Thema "Rechtskunde-Projektwochen"
Ist Hurensohn eine Beleidigung, die schlimmer wiegt als eine Körperverletzung? Worin unterscheiden sich Raub und Diebstahl? Diese und viele andere Fragen werden bei den "Rechtskunde-Projektwochen" des Zentrums des Jugendrechts Mitte unter anderem zusammen mit den Schülern der Moabiter Hedwig-Dohm-OberschSchule geklärt. Das geht bis zu einer fiktiven Gerichtsverhandlung mit echtem Richter, bei der die Mädchen und Jungen selbst als Angeklagte, Zeugen, Opfer und Schöffen mitwirken.
Thema "Prävention der Polizei"
"Wir wollen Straftaten verhindern. Also wirken wir, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist" sagte Karl Bösel, Präventionsbeauftragter vom Polizei-Abschnitt 33, über seine Arbeit in Moabit. …Um verstanden zu werden, müsse man sich manchmal drastisch ausdrücken, etwa so: "Wer kifft, bekommt keinen Führerschein." …
Thema "Erfahrungen einer Jugendrichterin"
Kirsten Heisig wirkt als Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten. "Früher war es kuscheliger. Da gab es den 14-Jährigen mit dem kleinen Ladendiebstahl oder der Graffiti-Schmiererei" berichtete sie, während 14-Jährige - ab diesem Alter ist man strafmündig - heute in vielen Fällen schon mehrfach bei der Polizei waren, zum Beispiel wegen Waffeneinsatzes. "Kommt so ein Jugendlicher nach Monaten zu mir in den Gerichtssaal, kann es passieren, dass er fragt, um welchen Handy-Diebstahl es hier eigentlich gehe". Mit dieser Anekdote thematisierte Heisig ein Hauptproblem der Justiz: Bis zu sechs Monate vergehen oft zwischen Straftat und Verhandlung...
Zu den häufigsten Strafen, die sie verhängt, zählen Arrestwochen, häufig kombiniert mit anderen Maßnahmen, sowie "Schulbesuchsweisungen". Diese überwacht sie - was sonst Aufgabe der Jugendgerichtshilfe wäre - persönlich in Zusammenarbeit mit den betreffenden Lehrern. Die Jugendrichterin liebt "knackige Maßnahmen, und keine Maßnahmen-Cocktails".
Zum Schluss noch Kirsten Heisigs praktischer Hinweis für den Fall, dass man stark vernachlässigte Kinder und untätige Jugendämter bemerkt, wie von einer Plenumsteilnehmerin berichtet wurde: "Man braucht das Amt nicht, sondern kann sich in dringenden Fällen direkt ans Familiengericht wenden." ...
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