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Körnerkiez: Bier trinken und Gutes tun


Bierflasche

Herr Jacob, wie geht das, wenn man für einen guten Zweck Bier trinkt?
Quartiermeister ist ein soziales Projekt. Hundert Prozent unserer Gewinne werden eingesetzt, um soziale Projekte und Initiativen in der direkten Nachbarschaft zu fördern. Ich habe nach einer Marktsituation gesucht, wo ein durchschnittlich gut informierter Verbraucher sich leicht für ein sozial nachhaltiges Produkt entscheiden kann. Da kam ich auf Bier in Verbindung mit einem lokalen sozialen Zweck. Bier wird fast immer im sozialen Umfeld getrunken, wir trinken das Bier aus der Region und wir reden darüber. Wenn es dabei einen sozialen und lokalen Zweck erfüllt, macht es Sinn, dieses spezielle Bier zu trinken. Man sieht: "Aha, wenn ich dieses Bier trinke, passiert etwas, es ist nicht wieder eine von diesen Marketingkreationen!" Das muss sich dann herumsprechen. Unser ganzer Gewinn fließt in soziale Projekte – und zwar nicht irgendwo, sondern da, wo du trinkst, in deinem Kiez. Im Grunde lässt sich die Idee auf vier Worte runterkochen: Trinken für den Kiez. Seit September 2010 ist Quartiermeister auf dem Markt.

Und wer hat etwas davon, wenn viel Quartiermeister getrunken wird?
Zur Zeit kommen durch Quartiermeister etwa 1.000 € pro Monat für soziale Projekte zusammen. Bislang haben wir Bildog e.V., die KiezAktivKasse Kreuzberg und das Netzwerk Schülerhilfe Rollberg gefördert. Gerade bereiten wir zwei weitere Förderkooperationen vor: Zum einen mit dem "Plan MSA", ein Freiwilligen-Projekt in Kreuzberg, das Jugendliche mit Schwierigkeiten in der Schule auf die Mittelschulabschlussprüfung vorbereitet. Und zum anderen mit Cosy Concerts, einem interessanten Kulturfestival, das Zuschauern die Türen zu den Wohnungen der Künstler in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain öffnet.

Können sich soziale Projekte auch selbst bewerben?

Ja, klar. Man kann uns eine Mail schreiben oder Vorschläge machen. Demnächst kann man auf unserer Website www.quartiermeister.org einen Förderantrag herunterladen. Der Quartiermeister-Verein entscheidet, welche Projekte gefördert werden.

So eine Idee müsste eigentlich total einschlagen. Wie läuft es denn bisher?
Wir kommen sehr gut an. Quartiermeister hat sich als erstes Produkt dem Kollektiv seiner Konsumenten zu hundert Prozent verpflichtet. Ich wollte kein Charity-Produkt kreieren, wo du dich als edler Konsument dafür entscheiden kannst: "Jetzt mach ich mal was Gutes." Das Schöne an Quartiermeister ist, dass du dich ganz normal verhältst: Du gehst ein Bier trinken, du zahlst so viel wie üblich dafür und es bleibt gleichzeitig etwas übrig für eine gute Sache in deinem direkten Umfeld. Wir haben es so kalkuliert, dass der Kasten für 10 € verkauft werden kann. Davon können wir derzeit ca. 3 € für den sozialen Zweck abführen.

Regional heißt, dass das Bier aus Berlin stammt, oder?

Unser Kooperationspartner ist die Garley-Brauerei, ein nah an Berlin gelegener Familienbetrieb in Sachsen-Anhalt, der unabhängig und traditionell wirtschaftet und ein gutes Bier produziert.

Es gab keine Berliner Brauerei, die dafür in Frage kam?
Leider nicht, das ist ein trauriges Kapitel. Der Brauereimarkt in Berlin sieht derzeit so aus, dass es nur die großen und die Mikrobrauereien gibt. Die großen sind mittlerweile alle in der Hand des Dr. Oetker-Konzerns. Wenn ein regionaler Wertschöpfungszirkel entstehen soll, wo regional Bier produziert und lokal getrunken wird und die Mittel vor Ort sozial reinvestiert werden, kann man mit einem Konzern nicht zusammenarbeiten. Die Mikrobrauer machen zwar alle gutes Bier und haben tolle Ideen, aber sie sind zu teuer. Viele füllen nicht mal in Flaschen ab und pasteurisieren ihr Bier nicht, d.h. es ist höchstens vier Wochen haltbar. Deshalb mussten wir uns regional über den Tellerrand von Berlin hinausbewegen. Die Garley-Brauerei hat halb-manufakturelle, halb-industrielle Größe.

Was hat es mit dem Namen auf sich?

Ein Quartiermeister ist doch eine historische Gestalt. Im Dreißigjährigen Krieg hat der Quartiermeister im Heer das Feldlager bestellt und für das leibliche Wohl der Truppe gesorgt. Heute steht Quartier für Kiez und der Quartiermeister ist derjenige, der sich um das Wohl des Kiezes kümmert. Und natürlich sorgt er auch für das Bier.

Bislang wird Quartiermeister in Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain verkauft. Was ist mit den anderen Bezirken?
Wir haben auch kleine Außenposten im Prenzlauer Berg und in Moabit. Der Schwerpunkt liegt zurzeit noch auf Neukölln, denn dort wohnen wir und kennen die Kneipen und Cafés. Das Projekt ist aber offen und kann wachsen, auch über Berlin hinaus. Jeder kann mitmachen und mit Biertrinken etwas für seinen Kiez tun.

Und das alles machen Sie ehrenamtlich, neben Ihrem Referendariat?
Ja, aber es ist mein Herzblut.


Das Gespräch führte Claudia Mattern (Kiezredakteurin Körnerkiez). Die "Körnerpost" erhalten Sie zum Download auf der Webseite des Quartieres und vor dem Quartiersbüro in der Emser Straße 15.

Wo das Bier überall erhältlich ist, erfahren Sie auf der Seite von Quartiermeister.

C. Mattern/Körnerpost