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Was ist Quartiersmanagement?


Stichwort QM aus dem Fachlexikon der sozialen Arbeit 7. Auflage


Quartiersmanagement ist eine kommunale Interventionsstrategie auf Stadtteilebene, die mit partizipativen Formen alle geeigneten Möglichkeiten (vom Regelangebot bis zu soziointegrativen oder baulichen Maßnahmen) nutzt, um neues Verantwortungsbewusstsein für das Zusammenleben im Stadtteil hervorzubringen, um den sozialen Zusammenhalt eines Quartiers zu stärken und darüber die Lebensperspektiven und –bedingungen zu verbessern. Mit Q. werden Netzwerke und Kooperationen innerhalb eines Stadtteils, zwischen Verwaltung und Stadtteil sowie innerhalb der Verwaltung etabliert. Q. setzt eine ämterübergreifende, sozialraumorientierte und integrierende Strategie um, die mit Empowerment Menschen im Stadtteil motiviert die Stadtentwicklung mit zu gestalten. Übergreifendes Ziel des Q. sind stabile Nachbarschaftsstrukturen, die negative Folgen gesellschaftlicher Benachteiligung abmildern oder zumindest kompensieren. Maßnahmen des Q. greifen Schwächen und Stärken des Stadtteils auf. Meist beziehen sie sich auf die Verbesserung von Lebensperspektiven (Bildung, Erwerbstätigkeit, Integration/Akkulturation, Gesundheit etc.). Investive Maßnahmen verbessern die soziale Infrastruktur und erfüllen gleichzeitig eine aktivierende Funktion.

Q. wird in Gebieten eingerichtet, in denen die kommunale Regelversorgung die gleichwertige Entwicklung eines Stadtteils und seiner Menschen in Bezug zur Gesamtstadt nicht mehr gewährleistet (Exklusionsgefahr). Gekennzeichnet sind diese Gebiete durch eine hohe Konzentration sozial schwierige Lebensbedingungen wie Arbeitslosigkeit und strukturelle Benachteiligung am Arbeitsmarkt, Armut und Abhängigkeit von Transfereinkommen. Die lokale Überlagerung verschiedener gesellschaftlicher Benachteiligung trägt zur Potenzierung negativer Folgen bei. Oft weisen die Gebiete soziale Erosionserscheinungen wie Anonymität, delinquente Formen der Konfliktbewältigung, systematische Ausgrenzung und Verschlechterung der Lebensperspektiven auf (Desintegrationstrend). Der demographische Wandel birgt die Gefahr, die Problemlagen in diesen hochsegregierten Stadtteilen zu verstärken.

Folgende Verfahrensbestandteile sind Grundelemente erfolgreichen Q.: eine lebensweltlich ausgerichtete Gebietsabgrenzung, wobei die Größe eines Gebiets den Nachbarschaftsbezug unterstützen sollte; eine verwaltungsexterne Gebietsbetreuung durch ein Q.-Team als zentraler Ansprechpartner und Organisator der Stabilisierungsstrategie im Quartier; eine ämterübergreifende Zusammenarbeit mit Sozialraumbezug (Sozialraumorientierung) zum Quartier; ein integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept als gemeinsamer Arbeitsplan mit verbindliche Einbindung der Partner; Empowerment und Partizipation als notwendige Aktivierung und Beginn der Verantwortungsübernahme auf Stadtteilebene z.B. durch Quartiersräte; ein Budget zur Umsetzung von Maßnahmen sowie als Anlass für Kommunikation und Netzwerkentstehung; stadtteilnahe Maßnahmen, die neue Antworten herausarbeiten und die ggf. den Regelkanon kommunaler Daseinsvorsorge ergänzen bzw. ersetzen.“

Mühlberg, Philipp: Quartiersmanagement. in: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.: Fachlexikon der sozialen Arbeit, 7. Aufl. Baden-Baden 2011.

Weiterführende Literatur:

Mühlberg, Philipp: Auf Vernetzung kommt es an, Zum Verhältnis von Gemeinwesenarbeit und Quartiersmanagement, in: Blätter der Wohlfahrtspflege (BdW) - Deutsche Zeitschrift für Soziale Arbeit, Heft 4/2011, 157. Jahrgang.