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"Nächste Ausfahrt Wedding" - die Gastrolandschaft hinter dem Tunnel


Uwe Effertz, Kiezführer
Das ist Uwe Effertz, unser kulinarischer Kiezexperte.
V. Kuntzsch

"Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Welt hinter dem Tunnel so vollkommen anders ist. Verwunderlich ist auch, dass die Grenze sogar Jahre nach dem Mauerfall immer noch zu bestehen scheint." Mit seinem Projekt "Nächste Ausfahrt Wedding" will Uwe Effertz die Prenzlberger in die Gegend hinter den Tunnel in der Gleimstraße locken. Denn gerade die Bewohner des Brunnenviertels waren bis zum Mauerbau auch im Prenzlauer Berg unterwegs. Man war hier in der Schule, hatte seinen Kleingarten hier. Auch umgekehrt 
war es nicht anders. Man ging ins Kino oder zum Einkaufen auf den "Sachsendamm".

An Sommerabenden trinkt Uwe Effertz gern mit Nachbarn sein Bier vor der Haustür und schaut auf den Gleimtunnel. So entstand aus einer Feierabendlaune heraus die Idee für "Nächste Ausfahrt Wedding". Ansonsten ist der 47jährige Musiker (American Blues) und – natürlich – Hobbykoch. Ungewöhnliche Kochkurse, die schon beim Einkaufen beginnen und oft erst weit nach dem Dessert enden, gehören auch zu seinem Repertoire.

Fischladen
Effertz' Empfehlung für den Fischfan: Royal Fischladen Deluxe, Lindower Str. 18
V. Kuntzsch

Heute steht ist ein kulinarischer Rundgang durch den Wedding auf den Plan. Ist da mehr als Döner und indisches Essen drin? Wir sind gespannt...


Der Startpunkt der kulinarischen Tour ist tatsächlich eher traditionell:  Es ist das "Altinyayla Gözleme Evi" in der  Lindower Straße/Ecke Müllerstraße. Gözleme, das sind dünne Fladenbrote aus Yufka-Teig, eine Spezialität aus Anatolien. Gefüllt werden sie zum Beispiel mit Schafskäse, Spinat oder Fleisch. Außerdem gibt’s hier noch Börek und verschiedene Suppen. Alles frisch, alles lecker. 

Und weiter geht’s zum nächsten Laden. Und der ist eine Empfehung von Effertz: Der Royal Fischladen Deluxe in der Lindower Straße. Danach würde sich wohl mancher Bewohner vom Kollwitzplatz  die Hände reiben. Vom Aal bis zum Zander ist alles da, frisch und gut gekühlt.

Thailänder
Das Dan-Thai-Food, Reinickendorfer 96
V. Kuntzsch

Der nächste Anlaufpunkt ist  der obligatorische Inder im Kiez: Von "Alu Palak"(Frische Kartoffeln mit Spinat) über Fisch Curry bis hin zu "Sabzikorma" (Gemüse und Rahmkäse mit Mandeln in Curry-Soße) findet man alle Klassiker auf der Karte. Preisreduzierte Mittagsangebote von 12 bis 16 Uhr gibt es auch.

Weiter geht es "Zum Magendoktor", direkt am Nettelbeckplatz. Dieser Laden ist ein Klassiker! Wenn der Magen nach all den kulinarischen Gaumenfreuden dann doch mal drückt, bekommt man hier im 24/7 seinen "Aufräumer" garantiert. Sportliche Betätigung am Billardtisch und beschwingende Töne aus einer Musikbox von anno dazumal unterstützen die Verdauung. 

Tipp: Super Kiezkneipe!

Jetzt passt wieder etwas rein in den Magen. Wir sind im Dan-Thai-Food, Reinickendorfer Str. 96. Klein aber oho! Ein Tisch innen, einer außen. Von der Tom Kha Gai über die knusprige Ente bis zum Thailändischen Eisbein bleibt auf der Karte kaum ein Wunsch offen. Auch einen winzigen Verkauf asiatischer Spezialitäten gibt es. Effertz: "Meine Freundin fährt vor allem auf die leckeren Suppen ab."

Der nächste Anlaufpunkt ist das "Spiritus Mundi" in der Nazarethkirch-/Ecke Malplaquetstraße. Seit Ende 2010 gibt es endlich auch eine Wein- und Feinkosthandlung im Kiez. Bagels, Brot und American Cookies kann man bei einem netten Schwatz mit Tanja genießen oder mit nach Hause nehmen. Direkt daneben finden wir "Auf der Suche nach dem Verlorenen Glück", Nazarethkirchstraße, ein schönes Café mit einem wunderbaren Namen. Sehr gute hausgemachte Kuchen und herzhafte Gerichte, Frühstück ab 9 Uhr.

Tipp: Ordentliche Qualität zu ordentlichen Preisen! 

Lidia in ihrem Laden
Lidia in ihrer "Pierogarnia", Turiner Straße 21
V. Kuntzsch

Nun zum Lieblingskoreaner im Kiez, dem Korea Haus in der Nazarethkirche 45. Kim hat eine kleine Holzhütte in sein Ladenrestaurant gebastelt. So erscheint jeder Besuch wie eine kleine Reise nach Fernost, nicht zuletzt auch wegen der leckeren Gerüche und Spezialgerichte. Vorsicht: Montag ist Ruhetag. 
"Das Schöne ist ja, dass eigentlich jede Tour anders verläuft", freut sich Uwe, " jeder Teilnehmer hat sein persönliches Lieblingsrestaurant im Kiez, das ich dann unter Umständen noch gar nicht kenne, aber auf meiner nächsten Tour sogar einbaue"

Die nächste Pause legen wir ein bei Lidia Kozlowska und ihrer "Pierogarnia" in der Turiner Straße 21. Lidia  kommt aus Poznan und lebt seit 30 Jahren im Wedding. Ihr Motto "Polnische Gastfreundschaft und Gaumenfreuden" ist Programm. Spezialität des gemütlichen Restaurants sind Piroggen (Pierogi), das sind gefüllte Teigtaschen aus Hefe-, Blätter- oder Nudelteig. 
Dienstag bis Samstag ab 13 Uhr geöffnet.  

chinesischer Supermarkt
Vinh-Loi, Müllerstr. 40 (im Keller!)
V. Kuntzsch

Danach noch einen Abstecher zu einem der Lieblingsorte für Koch-Fans: Der chinesische Supermarkt Vinh-Loi in der Müllerstraße 40 (Kellergeschoss). Der Chinesische Supermarkt ist Uwes Lieblingsort im Kiez. "Hier habe ich noch nie was gesucht, was ich nicht gefunden habe!" An der asiatischen Lebensmittelvielfalt und -ausgefallenheit kann man sich kaum satt sehen und kaufen!

Und hier endet unsere kleine kulinarische Reise durch den Wedding; die gesamte Tour ist etwas länger und umfasst noch einige kulinarische Entdeckungen mehr. Wir danken der satten und glücklichen Kiezredaktion und verweisen auf die Webseite des Gebietes Pankstraße, auf der man alles über die komplette Tour nachlesen kann.

Mehr übers Essen in der Ausgabe Nr. 17 der Kiezzeitung Quartier² von 2011. Über Uwe Effertz und sein Projekt kann man auf seiner Webseite nachlesen.

V.Kuntzsch/U. Effertz/C. Rackow