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Rollbergviertel: Versteckte Orte


Titelseite der Novemberausgabe "Rollberginfo"
Titelseite der Novemberausgabe "Rollberginfo"

Die November-Ausgabe der Quartierszeitung "Rollberginfo" stellt drei Orte im Kiez vor, die selbst alteingesessenen Bewohnern unbekannt sind. Die Kiezzeitung führt zum Werkraum eines Bildhauers, zur Kapelle der katholisch-apostolischen Gemeinde und zur Justizvollzugsanstalt für Frauen, Außenstelle Neukölln.

Das Rollbergviertel ist ein überschaubares Stück Neukölln. Wer an der Karl-Marx-Straße startet und zur Hermannstraße läuft, ist in zehn Minuten durch. Trotz aller Übersichtlichkeit gibt es Orte, die zwar im Kiez liegen, aber selbst alteingesessenen Bewohnern unbekannt sind - auch wenn sie vielleicht täglich daran vorbeilaufen.

Werkraum Köpfchen

Auf einem ehemaligen Lagergelände des Neuköllner Grünflächenamtes in der Kopfstraße, direkt vor dem Schlagbaum zum Park der Lessinghöhe, hat der Holzbildhauer Nils Werner seinen "Werkraum Köpfchen" eingerichtet. In zwei kleinen Räumen stehen Werkbänke und Holzfiguren und vom Nachbardach schaut ein Holzkopf die vorbeigehenden Passanten an. Werner beschreibt sich selbst als "Halbtagskünstler", denn allein von seiner Kunst kann er nicht leben. Wenngleich er im Jahr 2007 eine gewisse Berühmtheit in Neukölln erlangte: Damals hatte er aus einem durch Sturmschaden freigelegten Ahorn-Baumstumpf in der Hasenheide eine Figur gehauen, einen "Wegweiser" wie er sagt - und zwar in Richtung FKK-Wiese auf der einen und Sehitlik-Moschee auf der anderen Seite. Die Figur erregte schnell Aufmerksamkeit und Proteste, weil sie zur FKK-Wiese hin nackt wirkte. Sie wurde beschmiert und der Kopf wurde ihr abgeschlagen. "Allerdings", so Nils Werner, "kam es auch mal vor, dass jemand ein paar Cents in eine Spalte legte." Ihm ging es damals um die moralischen Widersprüche, die in der Hasenheide aufeinander treffen und die er symbolisieren wollte. Im Jahr 2008 berichtete sogar die Morgenpost unter dem Titel "Scheinheilig in Neukölln" ausführlich über das Schicksal der Figur. Im Atelier in der Kopfstraße geht es nun etwas ruhiger zu. Hier arbeitet er in erster Linie für sich selbst und bietet kostenlose Schnitzkurse für Kinder an. Verbiegen oder dem Kunstbetrieb anbiedern möchte er sich nicht: "Ich schnitze dann, wenn ich das Bedürfnis dazu habe."

Katholisch-apostolische Kapelle

Die Kapelle der katholisch-apostolischen Gemeinde befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Werkraum Köpfchen und ist schon von außen als solche unmissverständlich zu erkennen. Der Bau, der im Jahr 1896 begonnen wurde, verfügt über ein kirchentypisches Giebeldach und auf dem First ist ein großes Kreuz befestigt. Die jetzige Form der Kapelle stammt aus dem Jahr 1911, als das ursprüngliche Gebäude vergrößert und bis an die Straßenfront gezogen wurde. Im Innenraum gibt es eine kleine Sakristei und einen großen Gebetsraum, in dem die Gottesdienste stattfinden. Die katholisch-apostolische Gemeinde ist keine Kirche im rechtlichen Sinn, sondern ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Hervorgegangen ist sie aus der Bewegung "Werk des Herren unter den Aposteln" im England des 19. Jahrhunderts. 1901 verstarb der letzte der 12 Apostel und damit versiegte auch im Sinn der katholisch-apostolischen Lehre der Strom des Heiligen Geistes. Die Gemeinschaft ist seitdem eine reine Laien-Bewegung, da es keine Priester gibt, die die Gottesdienste leiten. In Berlin existieren sechs Gemeinden mit etwa 1000 Mitgliedern.

JVA für Frauen, Außenstelle Neukölln

Die Neuwedeller Straße ist eine kleine Seitenstraße, die die Kopfstraße mit dem Mittelweg und der Leykestraße verbindet. Hier befindet sich die Außenstelle Neukölln der Justizvollzugsanstalt für Frauen. Es ist für Berlin und Brandenburg die einzige Abteilung für sozialtherapeutisch begleiteten offenen Vollzug. Das Haus selbst reiht sich unauffällig in die Fassadenfront der benachbarten Mietshäuser ein, wird aber ausschließlich von der JVA genutzt. Auf vier Etagen gibt es insgesamt 21 Zimmer und auf der Rückseite einen Garten, in dem unter anderem Gemüse angebaut wird. Die inhaftierten Frauen sind alle auf eigenem Wunsch im Haus und haben hier die Möglichkeit zu regelmäßigen Außenmaßnahmen: Angefangen wird mit begleiteten Ausgängen, dann alleinige Ausgänge und wenn es soweit ist, gibt es auch Urlaub aus der Haft.

Bedingung für die Aufnahme in der Neuwedeller Straße ist allerdings, dass keine Wiederholungs-,Missbrauchs- und Fluchtgefahr besteht. Der Mindestaufenthalt beträgt ein Jahr, damit die sozialtherapeutischen Maßnahmen auch greifen können. "Ideal sind eineinhalb bis vier Jahre", erklärt Barbara Rudolph, die als Vollzugsbeamtin in der Einrichtung arbeitet.

Die JVA ist eigentlich kein versteckter Ort und bemüht sich durchaus um Öffentlichkeit, "auch um Vorurteile abzubauen", so Barbara Rudolph. Zur Straße hin wird dies durch ein Fenster deutlich, hinter dem Gemälde ausgestellt werden. Die Bilder sind allesamt von inhaftierten Frauen gemalt worden und können direkt vor Ort erworben werden. Darüber hinaus beteiligt sich die JVA regelmäßig an den 48 STUNDEN NEUKÖLLN. Die Malerei gehört aber nicht zum Therapieangebot, sondern ist Teil der Arbeit im Haus, für die die Frauen auch bezahlt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie auf dem Quartiersportal.

Text: M. Hühn, Novemberausgabe "Rollberginfo"/ bearb. J. Meier