Schwerpunktthema "Bildung": der neue Reuter ist da



- Cover: reuter 06
Was tut sich im Reuter-Quartier? Wie laufen die ersten Wochen des Modellprojekts Gemeinschaftsschule? Wie weit sind die Planungen beim Campus Rütli? Diesen Fragen widmet sich die sechste Ausgabe des Reuter.
Aus dem Inhalt:


Bei den Stärken ansetzen
In diesem Artikel geht es um Sprachprobleme von Kitakindern. Die Kinder sprechen zu Hause arabisch oder türkisch, in der Kita aber wird deutsch geredet –viele verstehen oft nicht, was gespielt wird.
(Erzieherin) Nicole Kudwien blickt in große Kinderaugen. Gerade hat sie erklärt, dass es Zeit ist, die Zähne zu putzen. Die Kinder stürmen ins Badezimmer. Ein Junge wartet erstmal ab, er hat die Erzieherin gar nicht verstanden. Erst als sie ihren Zeigefinger ausstreckt und vor ihrem Mund hin und her bewegt, weiß er, was sie ihm sagen wollte.
Diesen Frühling erfuhren die Erzieherinnen (der Kita Weserstraße) von einem Sprachförderprogramm, bei dem zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden sollen: Die eigene Muttersprache und die deutsche Sprache schulen ist das Ziel. Denn die Förderung der Erstsprache gilt als Voraussetzung für den Erwerb der Zweitsprache. "Rucksack" nennt sich dieses aus den Niederlanden stammende Projekt, an dem Kinder, Erzieher und Eltern beteiligt sind.
Nicole Kudwien und ihre Kolleginnen ergriffen die Initiative und luden alle interessierten Kita-Eltern zu einem Treffen ein, um von dem Programm zu erzählen. Viele waren sofort interessiert: Startschuss für ein Bildungsprojekt, bei dem die Eltern die Experten für das Erlernen der Erstsprache sind – und die Kita für das Einüben der Zweitsprache.
Alhasans Mutter (beispielsweise) ist vor fünf Jahren aus Syrien eingewandert. Das hat sie noch nie erlebt, in Berlin zu leben und Arbeitsblätter in arabischer Sprache in die Hand gedrückt zu bekommen. Jeden Montag trifft sie sich jetzt mit den Elternbegleitern anderer Kitas. Alle kriegen ein Honorar für sechs Arbeitsstunden die Woche. Immer mit dabei ist Vesna Lovric, die Praxisbegleiterin vom Büro der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) in der Friedelstraße.
"Die Eltern sind stolz darauf, Materialien in ihrer eigenen Sprache zu bekommen", erzählt Vesna Lovric. "Im Rucksackprojekt werden beide Sprachen wertgeschätzt."
Weitere Informationen erhalten Sie auf dem Quartiers-Portal – Oktober/November-Ausgabe vom Reuter.





