QM Sparrplatz


Zur Wohnsituation
Räumlich gesehen ist der Weddinger Sprengelkiez ein klassisches Arbeiterviertel mit überwiegender Altbausubstanz, durch physische Barrieren wie den Schifffahrtskanal, die Müllerstraße und die Luxemburger Straße ein wenig abgeschnitten. Gerade diese Insellage verleiht dem Viertel ein gemütliches Flair. Es bietet ruhige Straßen und kleine Plätze sowie die unmittelbare Nähe zum Wasser. Die Entwicklung des Areals um den Hauptbahnhof rückt das Quartier in eine zentrale Lage. Problematisch dabei ist jedoch der teilweise schlechte bauliche Zustand einiger Häuser (v.a. im östlichen Teil des Gebietes). Vor allem entlang des Nordufers am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal bestehen jedoch attraktive Wohnlagen mit einem relativ hohen Anteil wirtschaftlich stabiler Haushalte.
Zur sozialen Situation
Die Sozialstruktur ähnelt der anderer Weddinger QM-Gebiete: Dazu gehören eine hohe Arbeitslosenquote und viele Transferleistungsempfänger. Andererseits verfügt das Quartier über eine starke ethnische Mischung; es gibt einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Bewohnern bzw. Bewohnerinnen im erwerbsfähigen Alter und den Zuzug von Studierenden, viele davon aus Asien (drei Studentenwohnheime im Gebiet).
Die Wohnbevölkerung ist jung, der Bevölkerungsaustausch hoch. Leider verlassen auch Familien mit Kindern im Vorschulalter trotz des guten Angebots an Kinderläden und Schulen immer noch verstärkt das Gebiet. Trotzdem ist es ein vergleichsweise junges Gebiet, was auch am hohen Anteil an Bewohnern / Bewohnerinnen zwischen 18 und 35 Jahren deutlich wird. Hier leben mehr Bewohnern / Bewohnerinnen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren als in der Gesamtstadt. Dafür ist der Anteil an Senioren / Seniorinnen kleiner. In den letzten Jahren hat sich eine für Berlin vergleichsweise große afrikanische Community im Gebiet entwickelt. Die Kombination aus dem hohen Anteil Kinder und Jugendlicher im Quartier mit ihrer besonders prekären sozialen Lage macht einen Schwerpunkt der Arbeit in diesem Bereich zwingend notwendig.
Wann wurde QM eingerichtet?
Seit 1999 ist das Quartiersmanagement vor Ort tätig. Träger ist L.I.S.T. GmbH Lösungen im Stadtteil – Stadtentwicklungsgesellschaft. Das Vorortbüro befindet sich in der Burgsdorfstraße 13a.
Was waren die wichtigsten Aufgaben?


Im Sprengelkiez soll ein eigenständiges Stadtteilleben entstehen. Hauptaufgaben des QM sind dabei die Vernetzung der Akteure und Hilfestellung bei der Entwicklung von Projekten aus den unterschiedlichsten baulich-räumlichen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Handlungsfeldern.
Folgende Themen bilden die Schwerpunkte:
- Bildung, Sprachförderung und Integration
- Bewohneraktivierung und -beteiligung
- Verbesserung der sozialen Infrastruktur, vor allem auch für Kinder und Jugendliche
- Imageaufwertung / Öffentlichkeitsarbeit
- Stadtteilkultur
- Beschäftigung / Qualifizierung / Ausbildung / lokale Ökonomie
- Gesundheitsförderung
- Verbesserung des Wohnumfeldes und Erhöhung der Sicherheit im öffentlichen Raum
Was wurde erreicht?


- seit August 2002: das Interkulturelles Gemeinwesenzentrum mit Gesundheitsförderung mit Gesundheitsberatung, kurz "SprengelHaus" (entstanden auf Anregung einer Bürgerbefragung und finanziert aus Mitteln des Programms "Soziale Stadt") - bietet ein breites Angebot and Bildungs-, Gesundheits- und Nachbarschaftsaktivitäten
- Seit 2005: Quartiersrat
- 2009: Anwohnerbefragung zum 10-jährigen Bestehen des Quartiersmanagements
- Seit 2009: Streetworker auf dem Sparrplatz
- 2009 und 2010: Gebietskonferenzen zum Austausch und zur Projektentwicklung
- 2010: Kiezbroschüre "Alles drin im Sprengelkiez"
- 2010: Bildungsbroschüre "Lernen für Kleine ganz groß im Kiez"
- Kiezzeitung "Der Kiezbote": seit Anfang 2009 ist das Afrika Medien Zentrum Herausgeber, gefördert aus dem Programm "Soziale Stadt"
- Beispiele für Wohnumfeldgestaltung: "Sprengelpark": Umbau eines ehemaligen Industriegeländes in einen familienfreundlichen Bürgerpark, finanziert durch die Bundesbahn als Ausgleichsmaßnahme für die Überbauung des Mettmannplatzes (Organisation der Bürgerbeteiligung durch QM); Umgestaltung Pekinger Platz, finanziert aus QF-4-Mitteln; Nordufer: Gestaltung und Öffnung des Uferwanderwegs und der Erholungsflächen (Bürgerbeteiligung durch QM); Afrikanischer Leseraum (als Teil des Afrika-Medien-Zentrums); Grünverbindung zwischen Tegeler Straße und Nordufer mit Anlage von Spielgelegenheiten; Eingangsbereich Torfstraße: Umgestaltung mit Imagekampagne unter Beteiligung von Gewerbetreibenden; Sparrplatz: Umgestaltung, Bolzplatz und Spielgeräte
Richtungsweisende Projekte
- "Sparradio" - Schulkinder machen Kiez-Radio und gehen auf Sendung
- Die Künstlergruppe WEDDING ART wurde 2003 vom QM ins Leben gerufen und hat sich zu einem eigenständigen Verein mit eigener Galerie und vielen Kunstaktivitäten entwickelt.
- "Gewerbe geht Online" – unter diesem Motto entsteht ein Internet-Portal für die Unternehmen im Gebiet, das diese selber pflegen können
- Infoleitsystem "Gewerbe im Sprengelkiez": Passanten können sich an zwei markanten Infosäulen einen Überblick über das vielfältige Angebot im Sprengelkiez verschaffen
- Handwerkerprojekt "Hammerhart" in der Jugendeinrichtung "die Lynar": Jugendliche führen innerhalb der Einrichtung verschiedene handwerkliche Aufgaben aus
- Der lebendige Adventskalender: Seit 2001 ein erfolgreiches Nachbarschaftsprojekt
- "BioLogo" - Das Natur-Bildungsprojekt engagierte sich von 2006 bis 2009 in den Kindergärten und Grundschulen des Sprengelkiezes in Form von Ausflügen, Naturprojekten und spielerischen Natur-Wissensstunden in den Einrichtungen selbst.
- Das Projekt "Kiezpatenschaften" wurde als Kooperation mit der Baptistenkirche Wedding entwickelt und ging aus dem Vorläuferprojekt "(T)Räume verwirklichen" hervor. Kinder und Jugendliche aus dem Quartier (überwiegend mit Migrationshintergrund) werden in ehrenamtlichen Patenschaften vermittelt und betreut. 2006 wurde das Projekt mit dem Integrationspreis des Bezirkes Mitte ausgezeichnet.
- Die Sprengelwochen waren von 2005 bis 2008 eine jährliche kiezweite Gewerbe-Image-Aktion
- Die "Konfliktagentur" am Sparrplatz ist eine Fortführung des Projektes "Stadtteilmediation" und bietet Beratung bei Konflikten aller Art. Sie kooperiert dabei eng (unterstützt von der Gesobau) mit dem Projekt Straßensozialarbeit
- Die Straßensozialarbeit auf dem Sparrplatz durch Gangway e.V. soll die Aufenthaltsqualität auf dem Sparrplatz verbessern und praktische Lösungen für die sogenannte Trinkerproblematik suchen.
Entstandene Netzwerke
- Bürgerverein "Aktiv im Kiez e.V.": Organisiert Angebote des Nachbarschaftsladens im SprengelHaus und vernetzt Anwohner / Anwohnerinnen
- "Gemeinsam im Stadtteil e.V.": Verbund von Akteuren aus dem sozialen und dem privatwirtschaftlichen Bereich, die die Angebote und Räume des SprengelHauses organisieren und nutzen.
- "Gesunder Sprengelkiez": Projekt zur Vernetzung und Erschließung lokaler Angebote aus dem Gesundheitsbereich
- Lotsenprojekt "Die Brücke" in Kooperation mit dem Bezirksamt und dem Jobccenter. Das Lotsenprojekt ist 2006 auf Initiative des QM Sparrplatz gestartet und mittlerweile in acht Büros in Berliner Quartieren aktiv. Die Lotsen bringen ihre eigene Lebens- und Integrationserfahrung ein und helfen so, die Distanz zwischen Zugewanderten und der öffentlichen Verwaltung zu verringern.
- Die FreiwilligenAgentur Wedding wurde im April 2004 eröffnet und bietet eine Plattform für Ehrenamtliche in den QM-Gebieten Soldiner Straße, Sparrplatz / Sprengelkiez und Pankstraße
- "Stadtteilgenossenschaft Wedding": Seit zehn Jahren existierender Verbund lokaler Gewerbetreibender
- "Kiezplenum": Regelmäßige Runde von Trägern der Kinder- und Jugendarbeit
- Engagement der Bewohnerschaft, früher im unabhängigen "Kiezrat", heute z.B. in der "Bürgerinitiative Sparrplatz"
- Die drei Grundschulen haben im Laufe des Verfahrens eigene Profile entwickelt, um bessere Projekte an den Schulen zu etablieren und kooperieren im Kiezplenum
- "AG Roma": Runde mit Vertretern und Vertreterinnen von Fachämtern, Polizei und QMs, die sich mit der Situation der Roma in Mitte und der Lösung von Konflikten beschäftigt, welche bei der Integration dieser relativ neuen Zuwanderergruppe entstehen
Der besondere Blick: Mit Diego durch den Sprengelkiez



Kiezmentorin Anne Wispler vom QM-Gebiet Sparrplatz schildert ihre Eindrücke von der Führung durch den Wedding auf der Route 65 - "Afrika küsst Asien". Der 19-jährige Diego, vor acht Jahren aus Brasilien in den Sprengelkiez gezogen, zeigt House of Nations, das Eschenbräu, Nordufer und das quirlige Leben zwischen asiatischen und afrikanischen Einflüssen. Lesen Sie hier mehr...
Fotoimpressionen
















