Gropiusstadt bildet sich: Kostenlose Nachhilfe und Fußball

Dario Kranz (rechts) und Murphy Kadimachi von „Gropiusstadt Bildet Sich“.

Dario Kranz spielt gern Fußball. Er spielte im NSF (Neuköllner Sportfreunde) Gropiusstadt. Dort trainierte er auch Kinder und Jugendliche. Und es kam immer wieder vor, dass Kinder nicht zum Training kommen durften, weil sie noch Hausaufgaben machen mussten. Andere hatten Schwierigkeiten in der Schule, das war sogar beim Fußballspielen immer Thema.

Dario Kranz studiert Grundschulpädagogik, ist also angehender Lehrer. Und so kam er auf die Idee, Fußball und Nachhilfe zu verbinden. Zuerst eine Stunde Hausaufgaben und Nachhilfe, danach Fußballspielen. Es war klar, dass die Nachhilfe nichts kosten durfte, denn in der Gropiusstadt wohnen viele Familien, die dafür nicht die Mittel haben. Er selbst wollte das sowieso ehrenamtlich anbieten und der Fußballverein stellte einen Raum zur Verfügung.

Viel Zeit neben Studium und Schule investiert


Und Dario hatte einen Fußballkumpel, der Schüler war, aber kurz vor dem Abitur stand, Murphy Kadimachi. Der war selbst noch mittendrin und wusste genau, was man braucht, um sich beispielsweise auf den Mittleren Schulabschluss (MSA) vorzubereiten. 2013 starteten Kranz und Kadimachi mit zwei Stunden Nachhilfe in der Woche.

Beide investierten viel Zeit neben Studium und Schule. Sie setzten sich mit dem Unterrichtsstoff der verschiedenen Altersstufen auseinander und stellten fest, dass viele Kinder niemanden hatten, dem sie etwas erzählen konnten: „Die Jungs kommen herein und als erstes wollen sie reden“, sagt Murphy Kadimachi.

Kranz und Kadimachi kommen beide selbst aus Neukölln. Sie leben, wo ihre Schüler auch leben, kennen deren Welt – sie sind glaubwürdig: „Diese Kids haben es teilweise wirklich schwer! Zuhause keiner, der ihnen zuhört oder hilft, und in der Schule kommen sie nicht mit.“

Vereinsgründung und Förderung


Nach einem Jahr Nachhilfe im NSF Gropiusstadt gründeten Dario Kranz und Murphy Kadimachi einen eigenen Verein: „Gropiusstadt Bildet Sich“. Und sie brauchten Mittel. Lernhilfe-Bücher für Mathe, Deutsch und die anderen Fächer. Lesestoff zum Üben und Ausleihen. Stifte, Papier, Klebstoff. Aber auch Gesellschaftsspiele und Bälle. Und einen größeren Raum, der so eingerichtet war, dass man mit mehreren Kindern vernünftig arbeiten konnte. Sie fanden ihn im Jugendclub UFO.

Dessen Leiter Hassan Büyukjurt stellte ihnen kostenlos einen Raum zur Verfügung. Das UFO hat auch einen eigenen Bolzplatz. Alles passte. Und auch die Aktionsfonds-Jury des Quartiersmanagements Gropiusstadt fand das Konzept überzeugend. Mit Fördermitteln des Quartiersmanagements wurde der Raum eingerichtet und die notwendigen Lern- und Fördermaterialien angeschafft, auch ein Beamer und ein Laptop.

Immer Montag und Mittwoch


An zwei Tagen in der Woche, montags und mittwochs, unterrichten sie von 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr jeweils sechs bis sieben Kinder. Mittlerweile arbeiten sie auch mit Lehrern und Lehrerinnen aus Gropiusstädter Schulen zusammen. Es sind auch nicht mehr nur fußballverrückte Jungs im Projekt, sondern auch Mädchen. Manche Kinder bleiben nur ein paar Wochen, manche eineinhalb Jahre. Bis sie geschafft haben, was sie sich vorgenommen haben – bessere Noten in Mathe, ihren Abschluss, etc.

Inzwischen hat Dario Kranz auch noch Mitstudierende für das Nachhilfeprojekt gewinnen können. Sie springen ein, falls einer von beiden mal krank ist oder eine wichtige andere Verpflichtung hat.

Pizza zum Zeugnis und Ausflüge in den Ferien


„Wir betreuen unsere Kids auch in den Ferien“, sagt Dario Kranz. „Und wenn sie ein konkretes Anliegen haben, sind wir auch für sie da – auch wenn es etwas ist, das nichts mit Nachhilfe zu tun hat. Wir machen auch mal einen Ausflug oder gehen Pizza essen, wenn es Zeugnisse gibt, das muss doch gefeiert werden!“

Sponsoren und Spenden willkommen

Unterstützung bzw. Spenden sind wichtig, damit das Projekt längerfristig arbeiten kann. Mit den Spenden können Lern- und Fördermaterialien gekauft werden. Gesucht wird auch eine Spende von Obst, Keksen oder Getränken (gern auch regelmäßig für mehrere Monate) – damit die Kinder einen gesunden Imbiss zu sich nehmen können, wenn sie nach der Schule kommen.

Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite von „Gropiusstadt Bildet Sich“.

Spenden für den „Gropiusstadt bildet sich e.V.“ werden auch über das Portal betterplace.org gesammelt.