Sozialer Zusammenhalt QM Brunnenstraße

Hand in Hand für den Nachbarschaftstreff

Das Olof-Palme-Zentrum im Brunnenviertel ist ein Ort für den ganzen Kiez. Seit fünf Jahren ist das Haus in der Demminer Straße 28 der Anlauf- und Treffpunkt für Kinder und Jugendliche sowie für die erwachsene Nachbarschaft. Vielfältige Angebote richten sich an die verschiedenen Zielgruppen. Auch im Hintergrund gibt es eine gute Zusammenarbeit mehrerer Fördergeber, die das breit gefächerte Programm des Olof-Palme-Zentrums (OPZ) ermöglichen. Eine weitere gute Nachricht: Die Ressortübergreifende Gemeinschaftsinitiative des Senats hat für die Nachbarschaftsarbeit den Weg zu einer Verstetigung frei gemacht. Ab 2021 wird der Bereich aus dem Infrastrukturförderprogramm Stadtteilzentren finanziert.

Die Grundsteinlegung des Olof-Palme-Zentrums im Jahr 2012. Foto: Dominique Hensel
Die Grundsteinlegung des Olof-Palme-Zentrums im Jahr 2012. Foto: Dominique Hensel
Olof-Palme-Zentrum Richtfest mit Staatssekretär Lütke-Daldrup und Bezirksstadträtin Sabine Smentek. Foto: Dominique Hensel
Olof-Palme-Zentrum Richtfest mit Staatssekretär Lütke-Daldrup und Bezirksstadträtin Sabine Smentek. Foto: Dominique Hensel
Das Olof-Palme-Zentrum nach der Eröffnung. Foto: Dominique Hensel
Das Olof-Palme-Zentrum nach der Eröffnung. Foto: Dominique Hensel
Das Olof-Palme-Zentrum wurde an der Stelle des früheren Kinder- und Jugendzentrums in der Demminer Straße 28 neu errichtet. Foto: Dominique Hensel
Das Olof-Palme-Zentrum wurde an der Stelle des früheren Kinder- und Jugendzentrums in der Demminer Straße 28 neu errichtet. Foto: Dominique Hensel
Die Grundsteinlegung des Olof-Palme-Zentrums im Jahr 2012. Foto: Dominique Hensel
Die Grundsteinlegung des Olof-Palme-Zentrums im Jahr 2012. Foto: Dominique Hensel
Richtfest auf der Baustelle. Foto: Dominique Hensel
Richtfest auf der Baustelle. Foto: Dominique Hensel
Die Bauarbeiten des Olof-Palme-Zentrums im Jahr 2015. Foto: Dominique Hensel
Die Bauarbeiten des Olof-Palme-Zentrums im Jahr 2015. Foto: Dominique Hensel

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Ein Haus für Kinder, ein Haus für die Jugend, ein Haus für die erwachsene Nachbarschaft. Im OPZ arbeitet das Team nach einem besonderen Konzept, das nicht alltäglich ist. Während die Kinder und Jugendlichen ein Tiny House bauen, Hip Hop-Kurse belegen oder im Garten Tischtennis spielen, haben die Erwachsenen in ihrem Zeitfenster ebenfalls viele Möglichkeiten in dem erst vor fünf Jahren fertiggestellten Neubau. Von Feierabend-Zeichnen, Keramik für Familien, einer offenen Kiezwerkstatt über das Sprachcafé bis hin zu Chorangeboten oder Nähen für Alle gibt es vielfältige Angebote für jeden Geschmack. 740 Quadratmeter stehen dafür auf zwei Etagen zur Verfügung. Sie können zeitlich versetzt von den verschiedenen Nutzergruppen besucht werden. Die Kombination von Nachbarschafts- mit Kinder- und Jugendarbeit unter einem Dach ist die Besonderheit des Olof-Palme-Zentrums. Bis zur Errichtung des Neubaus richtete sich das Olof-Palme-Kinder- und Jugendzentrum ausschließlich an die jüngeren Kiezbewohnerinnen und -bewohner.

Ein Ort für alle

„Dieses Modellprojekt als integriertes Zentrum funktioniert. Das ist eine großartige Leistung, die hier im Kiez geschafft wurde“, sagt Katja Niggemeier vom Quartiersmanagement Brunnenstraße. „Das Personal und die verschiedenen Nutzerinnen und Nutzer teilen sich das Haus“, sagt die Quartiersmanagerin. Dieses Teilen sieht Katja Niggemeier als Vorteil, doch auch sie sieht die Herausforderungen, die daraus entstehen: „Es gibt sehr viele Anforderungen ans OPZ. So wie es ist, reicht es nicht aus, ein Erweiterungsbau ist erforderlich“, sagt sie. Damit könnten sowohl die Nachbarschaftsarbeit als auch die Kinder- und Jugendarbeit den benötigten Platz erhalten. „Das Personal hat den integrativen Gedanken verinnerlicht und daran festgehalten. Für uns hat es sich gezeigt, dass es sich lohnt, hier auch in die Nachbarschaftsarbeit zu investieren“, sagt sie. Das Quartiersmanagement fördert den Nachbarschaftsbereich seit der Eröffnung vor fünf Jahren mit Mitteln aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“, welches bis 2019 „Soziale Stadt“ hieß. „Dass die Nachbarschaftsarbeit durch die Verstetigung eine Wertschätzung erfährt, ist gut und wichtig“, sagt Katja Niggemeier.

Von früh bis spät

„Das Konzept des Olof-Palme-Zentrums war für alle neu“, sagt Jochen Uhländer, der den Nachbarschaftsbereich leitet. „Wir haben das Haus neutraler gestaltet, weil hier mehrere Nutzergruppen zu Hause sind. Es gibt keine Häkeldeckchen wie vielleicht in einem klassischen Nachbarschaftstreff. Aber es gibt auch kein Graffiti an den Wänden wie in einem Jugendclub. Diese neutralere Gestaltung ist ungewohnt.“ Trotz dieser Besonderheiten haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Träger Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH, aber auch die Nutzerinnen und Nutzer mit einer zeitlichen Teilung arrangiert. „Der Nachmittag ist für den Jugendbereich reserviert, die Nachbarschaft kann früh und abends aktiv sein“, erklärt Jochen Uhländer. Eine komplette Vermischung der Angebote und Bereiche sei schon aus Jugendschutzgründen nicht möglich. „Aber wir erproben bereits Mischformen. Zum Beispiel gestalten Jugendliche am Abend manchmal den Betrieb im Nachbarschaftscafé, während die Erwachsenen ihre Kurse haben und danach im Café vorbeischauen“, sagt Jochen Uhländer. „Wir müssen bei allem, was wir tun, immer den anderen Bereich mitdenken. Das ist nicht immer leicht, aber auch sehr bereichernd“, beschreibt er das Miteinander der Bereiche im Alltag.

Nachbarschaftsarbeit im OPZ für die Zukunft

„Seit 2018 arbeiten die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, welche für Stadtteilzentren zuständig ist, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zusammen mit fünf weiteren Senatsverwaltungen in der Ressortübergreifenden Gemeinschaftsinitiative noch enger zusammen, um sozial benachteiligte Quartiere zu stärken“, sagt Alexandra Kast von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Ein übergeordnetes Ziel dabei ist die nachhaltige Sicherung leistungsfähiger Infrastrukturstandorte wie dem Olof-Palme-Zentrum. Bisher wurde die Arbeit im Nachbarschaftstreff je zur Hälfte mit Mitteln aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“ (ehemals „Soziale Stadt“) und dem Teilprogramm Stadtteilzentren der Zukunftsinitiative Stadtteil II (EFRE) möglich gemacht. Durch die neue Finanzierung wird die Nachbarschaftsarbeit im OPZ für die Zukunft gesichert.

Mit Engagement und Einfallsreichtum die Nachbarschaft aktivieren

„Das Infrastrukturförderprogramm Stadtteilzentren (IFP STZ) fördert im Land Berlin aktuell 36 gesamtstädtische Stadtteilzentren und weitere soziale Treffpunkte“, sagt Uwe Machura von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. „Aufgrund der Begrenztheit der Mittel, ist es schwer in das IFP STZ aufgenommen zu werden. Dies gelingt letztendlich nur den Nachbarschaftshäusern, die konzeptionell überzeugen und oft auch über Jahre hinweg zeigen, dass sie mit Engagement und Einfallsreichtum die Nachbarschaft aktivieren. Ich vertraue auf die Ideen des Olof-Palme-Zentrums und seines Trägers der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH, die nunmehr kleine Basisförderung des IFP STZ zu nutzen und durch weitere Akquise zu stärken. Nur so können die Wurzeln der Blüte Nachbarschaftsarbeit, weiterhin um Blätter und Blütenkelch erweitert bleiben, damit der Blütenzauber des Nachbarschaftshauses fortwährend wirkt.“

Kooperationen in einem vielfältig genutztem Haus

Die neuere Geschichte des integrierten Hauses im Brunnenviertel ist geprägt von guter Zusammenarbeit auf vielen Ebenen. Diese vielfältigen Kooperationen begannen schon bei der Planung des Neubaus. Bauherr war das Jugendamt des Bezirks Mitte, gebaut wurde mit Mitteln aus dem Quartiersfonds (Baufonds) des Programms „Soziale Stadt“. Die Gesamtkosten betrugen 2,55 Millionen Euro, 340.000 Euro gab der Bezirk dazu. Bei der inhaltlichen Arbeit der vergangenen fünf Jahre gingen die beiden Bereiche Nachbarschaft und Kinder/Jugendliche Hand in Hand. Nun ist es mit Hilfe der Gemeinschaftsinitiative des Senats gelungen, zu verstetigen, was mit Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ initiiert worden ist: die Nachbarschaftsarbeit im Olof-Palme-Zentrum wurde erfolgreich in das Haus integriert und nun auch langfristig gesichert.