Bilanz nach einem Jahr: Strukturen bleiben

Wilma Glücklich arbeitete langjährig in den Quartieren der Sozialen Stadt
Wilma Glücklich arbeitete langjährig in den Quartieren der Sozialen Stadt

Ende 2016 endete das Quartiersmanagementgebiet Magdeburger Platz. Was neben rund 5,5 Millionen Euro Investitionen bleibt, sind die geschaffenen Strukturen und eine Bewohnerschaft mit Eigeninitiative und Engagement. Ein Rückblick auf 17 Jahre erfolgreiche Arbeit.

Das Gebiet rund um die Potsdamer Straße hatte sich nach 17 Jahren intensiver Begleitung so gut entwickelt, dass es wieder ganz in die Hände der engagierten Bewohnerschaft sowie des Bezirks gelegt werden konnte.
Das dreiköpfige Team des Quartiersmanagements beendete seine Arbeit natürlich nicht von heute auf morgen. Sie hatten die Aktiven im Quartier seit langem und gut vorbereitet. Einen Großteil ihrer Arbeit steckten die drei Quartiersmanager in den Aufbau lokaler Strukturen. Hier erreichten sie mit großer Geduld und viel Feingefühl eine Aktivierung der Bewohnerschaft und eine Verantwortungsübernahme für den Kiez.

Schon seit 2013 arbeitete der Quartiersrat Magdeburger Platz weitgehend selbstständig. Dazu gehörte Vertrauen auf beiden Seiten, denn im Quartiersrat ging es um die künftigen Entwicklungen im Quartier. Und es ging um die Verteilung der Fördergelder: für Bauprojekte, aber auch für Projekte zur Stärkung der Nachbarschaft, zur Verbesserung der Bildung, zur Integration und vielem mehr standen über die Jahre rund 5,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Ergänzend wurde das Quartiersmagazin „mitteNdran“ aufgebaut, das in Eigenregie von den Bewohnerinnen und Bewohner herausgegeben wird. 

Wie sichert man die gute Entwicklung im Quartier?

Seit 2014 waren in die Neubauten am Gleisdreieckpark viele junge Familien eingezogen, die sich mit ihrem Quartier identifizieren und die bisher Aktiven im Quartier mit neuem Elan und neuen Ideen verstärkten. Etwa zeitgleich wurde entschieden, dass das Team des Quartiersmanagements nur noch bis Ende des Jahres 2016 vor Ort sein wird.

Das führte noch einmal zu einem Schub in der Arbeit des Quartiersrates. Man hatte den festen Willen, die gemeinsame Arbeit auch ohne QM-Team fortzusetzen. Dabei stellte sich jedoch die Frage, wie das ohne die bisherigen Ressourcen gelingen kann. Um herauszufinden, wie dies in anderen Quartieren gelungen ist, organisierte der Quartiersrat zahlreiche Netzwerktreffen.

Erfolgreiche Modelle zur Selbstverwaltung wurden vorgestellt und auf Herz und Nieren geprüft. Bürgerstiftung, Verein oder doch eine gemeinnützige GmbH? Das sind die üblichen Formen, in denen sich bürgerschaftliches Engagement zumeist manifestiert. Sucht man Geld auf dem Fördermarkt, wirken diese Organisationsformen bei den Geldgebern vertrauensvoll. Eine Aktiengesellschaft erschien als Modell zu schwierig. Diskutiert aber nicht umgesetzt wurde die Idee, mit einer „Volx-Aktie“ Geld einwerben zu können.

Offenes Beteiligungsmodell als Lösung

Was sich letztlich als schwierig herausstellte: alle diese Modelle verlangen allein für die eigene Verwaltung verlässliche langfristige Strukturen. Doch diese stehen den Aktiven selbst nicht mehr zur Verfügung, was häufig für Missstimmung sorgte.

Deshalb sah sich der Quartiersrat das Modell „Arbeitskreis Gatow“ aus Berlin-Spandau noch einmal genauer an. Der AK Gatow arbeitet seit 40 Jahren als loser Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern. Er ist jederzeit offen für Interessierte und seit Beginn schlagkräftig in seiner Arbeit. Legitimiert wird so eine Arbeitsplattform durch ihre transparente Arbeit im Stadtteil. Voraussetzung dafür ist eine gute und vertrauensvolle Kommunikation in die Öffentlichkeit.

Im Juni 2016 fiel dann die Entscheidung: der noch amtierende Quartiersrat beschloss seine Weiterarbeit als „Stadtteil-Forum Tiergarten-Süd“ mit Beginn des Jahres 2017. Ein offenes Beteiligungsmodell sollte es sein - das trauten sich die Aktiven zu. Das Bezirksamt Mitte kam dem Quartier entgegen und richtete eine Stadtteilkoordination ein. Diese ist personell zwar nicht so ausgestattet wie das ehemalige QM-Team, verfügt aber über eine kleine Stadtteilkasse mit 5.000 Euro. Mit dieser Grundausstattung ging die Arbeit in einem sogar leicht vergrößerten Gebiet weiter.

Stadtteil-Forum ist Erfolgsmodell

Heute, nach gut einem Jahr, gehören 30 bis 40 Menschen zum festen Stamm des Stadtteil-Forums Tiergarten-Süd. Weitere Menschen erarbeiten Ziele und Projekte in diversen Arbeitsgruppen. Für das Quartiersmagazin „mitte-n-dran“ wurde eine neue Finanzierungsmöglichkeit gefunden. Neben der Internetseite des Stadtteilforums ist das Quartiersmagazin eine wichtige Nachrichtenquelle im Kiez.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre „Ideen Raum geben – 17 Jahre Quartiersmanagement Magdeburger Platz“ (PDF)  und auf der Internetseite des Stadtteil-Forums Tiergarten-Süd.
 
Wilma Glücklich arbeitete langjährig in den Quartieren der Sozialen Stadt und beendet ihre Tätigkeit im Referat Soziale Stadt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen im März 2018.