Fair Mieten - Fair Wohnen

Beim Fachtag "Fair Mieten - Fair Wohnen" steht die Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt im Fokus. Foto: Marco Heßdörfer
Beim Fachtag "Fair Mieten - Fair Wohnen" steht die Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt im Fokus. Foto: Marco Heßdörfer

Ziel der Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ist es, die Vernetzung und Kooperation in diesem Handlungsfeld systematisch zu stärken und damit sukzessive eine Kultur diskriminierungsfreier Vermietung in Berlin weiter zu entwickeln. Das erfordert Akzeptanz der Betroffenenperspektive, Motivation und Dialog. Deswegen ist die Fachstelle gleichzeitig eine Ansprechpartnerin für die Wohnungswirtschaft. Der 1. Fachtag „Fair mieten – Fair wohnen“, an dem mehr als 70 Teilnehmende aus der Beratungspraxis, aus Bezirks- und Senatsverwaltungen sowie dem Wohnungswesen miteinander ins Gespräch kamen, war ein erfolgreicher Auftakt für einen akteursübergreifenden Dialog. Im Jahr 2018 werden zwei weitere Fachtage folgen und in Zusammenarbeit mit dem Willkommenszentrum andere Dialogformate entwickelt werden. 

Die Fachstelle arbeitet sowohl strategisch als auch beratend und vermittelnd. Dabei stellt sie die Perspektiven von Diskriminierten in den Mittelpunkt und betrachtet die Fälle im Zusammenhang mit sozialen Machtverhältnissen. 

In diesem Sinne unterstützt die Fachstelle auch ganz konkret Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt, aufgrund ihrer zugeschriebenen Herkunft, ihrer Sprache, ihrer Religion, ihrer Geschlechtsidentität, ihrer sexuellen Orientierung, einer Behinderung, ihres Alters, oder ihres sozialen Status Diskriminierung erfahren. 

Zu den Unterstützungsangeboten der Fachstelle gehören u.a. das Verfassen von Beschwerdebriefen, das Einbeziehen anderer Stellen, die Begleitung z.B. zu Gesprächen mit Wohnungsunternehmen und auch die Beistandschaft vor Gericht. Die Beratung ist kostenlos und bei Bedarf mehrsprachig. Zu den Beratungsprinzipien der Fachstelle gehören Vertraulichkeit, Parteilichkeit und Unabhängigkeit. Interessen und Ziele der Ratsuchenden bleiben auch bei vermittelnden Tätigkeiten zentral. 

Verschiedenste Anfragen

In den ersten sechs Monaten ihrer Tätigkeit hat die Fachstelle 64 Beratungsanfragen erhalten. Den absoluten Schwerpunkt der Beratungen bildeten die Anfragen aufgrund der Benachteiligung bei der Wohnungssuche (36), gefolgt von den Anfragen im Zusammenhang mit der Diskriminierung im nachbarschaftlichen Miteinander (16). In über 50 Anfragen wurde wegen einer Benachteiligung aufgrund der ethnischen Herkunft Beratung aufgesucht, in fünf Fällen aufgrund einer Behinderung und in zwei Fällen aufgrund der sexuellen Orientierung. In zwei Fällen konnten die Betroffenen nach der Intervention der Fachstelle eine Wohnung anmieten, ein Nachbarschaftsstreit konnte im Sinne der Geschädigten gelöst werden. Wichtige Themen, die mehrere Ratsuchende betreffen, wie z.B. fehlende deutsche Sprache als Ausschlussgrund für den Mietvertrag oder Schwierigkeiten der großen geflüchteten Familien, Zugang zum Wohnungsmarkt zu finden, werden auf strategischer Ebene weiterbearbeitet. 

Die Beratungsanfragen und –prozesse werden dokumentiert und systematisch ausgewertet. Im Frühjahr 2018 wird die Fachstelle einen Vorschlag für ein berlinweites Dokumentationssystem vorstellen und mit anderen Antidiskriminierungsberatung Anbietenden diskutieren. Ziel ist es, damit sowohl eine bessere Grundlage für politisches und Verwaltungshandeln als auch eine Arbeitshilfe für andere Beratende anzubieten. 

Weiterbildungen zum AGG

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der Fachstelle sind Weiterbildungen zum AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) und für das Handlungsfeld relevantem Mietrechtswissen, zu Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt und Instrumenten fairen Vermietens. Informationen zum Weiterbildungsangebot 2018, das verschiedene Zielgruppen adressiert - von beratenden Akteuren über die Wohnungswirtschaft bis hin zu Anwälten und Anwältinnen - werden in Kürze über die Internetseite der Fachstelle zugänglich sein.  

Die Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt ist ein Projekt der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung und wird aus Mitteln der Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung gefördert. Die Träger der Fachstelle sind UrbanPlus (Strategie + Vernetzung-) und der Türkische Bund in Berlin - Brandenburg (Beratung + Begleitung).

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite von Fair Mieten - Fair Wohnen und im Flyer (PDF) des Projektes.

Text: Dr. Christiane Droste, Remzi Uyguner