Verstetigung aktiv gestalten im QM Schillerpromenade

Zukünftige Infokapelle St. Jacobi. Bild: QM Schillerpromenade
Zukünftige Infokapelle St. Jacobi. Bild: QM Schillerpromenade

Das Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt (ehemalig "Soziale Stadt") ist nicht auf Dauer angelegt, sondern eine zeitlich und örtlich begrenzte Interventionsstrategie zur Stabilisierung sozial benachteiligter Gebiete. Nach einem Gutachten, im dem auch die jeweiligen Bezirke befragt worden sind, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen 2018 in insgesamt neun Gebieten die Beendigung des Quartiersmanagementverfahrens bis zum 31.12.2020 eingeleitet. Die Schillerpromenade ist eines der Quartiere, in denen das Quartiersmanagement endet. Wir haben daher die Quartiersmanager vor Ort zur ihren bisherigen Erfolgen und den Plänen für die kommenden zwei Jahre bis Ende 2020 befragt.

2019 feierte das Quartiersmanagementgebiet (QM) Schillerpromenade zusammen mit dem Programm Sozialer Zusammenhalt sein 20-jähriges Bestehen. Welches sind die drei herausragenden Erfolge des Programms Sozialer Zusammenhalt im QM Schillerpromenade?

Das mittlerweile berlinweit bekannte Modell der Stadtteilmütter wurde 2004 erstmals im Schillerkiez als Innovationsprojekt ausprobiert und ist so erfolgreich, dass es sowohl der Bezirk Neukölln als auch andere Länder (zum Beispiel Dänemark) übernommen haben. Seit 2018 sind die Stadtteilmütter über den Berliner Landeshaushalt in jedem Bezirk über Familienzentren verankert.  
Darüber hinaus steht den Bewohnerinnen und Bewohnern jeden Alters im Schillerkiez ein umfangreiches Angebot für Freizeit, Austausch und Beratung zur Verfügung. Drei Nachbarschaftseinrichtungen, das Nachbarschaftscafé „Warthemahl“, das Nachbarschaftshaus „Vielfalt“ und der „Nachbarschaftstreff Schillerkiez“ wurden mit Unterstützung des Quartiersmanagements aktiviert und eröffnet. Mit dem Familienbereich der „Kinderwelt am Feld“, dem Mädchencafé „Schilleria“ und dem Jugendclub „Yo!22“ wurden darüber hinaus drei Jugendeinrichtungen mit Fördergeldern des Programms Sozialer Zusammenhalt gebaut, erweitert und eingerichtet.
Zu guter Letzt wurden ehemalige Friedhofsflächen in der Umgebung so umgewandelt, dass alle im Kiez sie als Parks oder für Austausch und Nachbarschaftsaktivitäten nutzen können.  Diese Gemeinnützigkeit ist ein großer Gewinn für den Kiez. Der ehemalige St. Thomas Friedhof ist jetzt der Anita-Berber-Park. Mit der Umnutzung und sozialen Entwicklung weiterer ehemaliger Friedhofsflächen ergeben sich darüber hinaus viele Potentiale für den Kiez. Unter anderem wird zukünftig eine ehemalige Kapelle zu einem neuen Informations- und Nachbarschaftsort umgebaut und eine Gemeinschaftsunterkunft mit Begegnungsstätte neu gebaut. 

Die wichtigsten Schritte für die nächsten zwei Jahre bis Ende 2020 wurden im Aktionsplan festgehalten. Inwiefern wurden der Quartiersrat oder die Öffentlichkeit bei der Erstellung des Aktionsplans beteiligt?

Als Quartiersmanagement-Team haben wir uns für ein umfangreiches öffentliches Beteiligungsverfahren entschieden, um den Prozess der Verstetigung so transparent wie möglich zu gestalten. Neben Workshops mit Akteuren und Mitgliedern des Quartiersrates gab es öffentliche Diskussionsveranstaltungen und eine Onlinebeteiligung am Entwurf für den Aktionsplan. Auf Quartiersratssitzungen wurde zweimal dazu diskutiert. Hier haben wir auch besprochen, wie sich die Bürgerbeteiligung und das Engagement der Quartiersräte weiterentwickeln können. Das war besonders wichtig, um die über Jahrzehnte aufgebaute Bürgerbeteiligung noch einmal hervorzuheben und die Weiterführung in einer neuen Beteiligungsform vorzubereiten.

Gibt es denn schon Ideen, wie das bürgerschaftliche Engagement nach der Verstetigung organisiert werden kann? Welche Unterstützungsmaßnahmen sind hierfür geplant?

Als Weiterführung und vor allem Weiterentwicklung der Beteiligung, die bisher im Rahmen des Quartiersrates und der Aktionsfondsjury stattgefunden haben, soll ein neues Beteiligungsgremium eingeführt werden, das „Schillament“. Zur 100. Sitzung des Quartiersrates im Dezember 2019 soll der offizielle Übergang in das neue Format stattfinden. Das „Schillament“ (zusammengesetzt aus Schillerkiez, Parlament und Firmament) soll dann als Forum für alle aktiven Bewohnerinnen und Bewohner, Akteure und Initiativen aus dem Quartiersmanagementgebiet dienen. Bis 2021 wird das Schillament noch durch ein Projekt begleitet werden, welches die Entwicklung einer gemeinsamen Arbeitsform unterstützen soll.
Erfreulicherweise prüft der Bezirk Neukölln auch die Einführung einer Stadtteilkoordination für die Bezirksregion Schillerpromenade im Anschluss an das Quartiersmanagement-Verfahren. So könnten möglicherweise sowohl eine Stadtteilkasse als auch eine direkte Anbindung an die Bezirksverwaltung sichergestellt werden.

Poster zum Aktionsplan Bild: QM Schillerpromenade
Poster zum Aktionsplan Bild: QM Schillerpromenade

Welche Schlüsselprojekte und Maßnahmen möchten Sie bis Ende 2020 noch umsetzen?

Neben der bereits erwähnten Einführung der neuen Beteiligungsform „Schillament“ als Nachfolgeorganisation des Quartiersrates wurden zum Abschluss des Verfahrens im Schillerkiez für den Aktionsplan weitere drei Projekte und drei Baumaßnahmen als besonders wichtig identifiziert:
Die abschließenden Projekte sehen die Weiterführung des Leuchtturmprojektes Schillerwerkstatt und der Medienwerkstatt im Schillerkiez mit Ansiedelung im „Haus des gemeinnützigen Journalismus“ vor. Zudem ist der Aufbau einer Kiezhomepage geplant, auf der unter anderem Räumlichkeiten, Verleihbares und wichtige Termine zu finden sind. Die Einführung einer Stadtteilkoordination wird zurzeit geprüft.
Baulich sollen zum Abschluss noch der namensgebende Grünzug, die Schillerpromenade, sowie der wichtigste Platz im Süden des Gebietes, der Wartheplatz qualifiziert und das Außengelände der Kinderwelt am Feld weiterentwickelt werden.

Wie planen Sie, die erreichten Erfolge der Sozialen Stadt im Gebiet Schillerpromenade dauerhaft zu sichern?

Nach 20 Jahren Quartiersmanagement haben sich zahlreiche durch das Verfahren angestoßene Netzwerke, Akteure und Einrichtungen etabliert.
Wir haben die Institutionalisierung (Gewerbenetzwerk, Schillerkiezmarkt, Bildungsverbund) und Anschlussfinanzierung vieler Projekte (Jugendeinrichtungen, Nachbarschaftstreffs, Weihnachtsbeleuchtung am Wartheplatz, Stadtteilmütter) sicherstellen können. Für die weitere Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier haben wir erfreulicherweise mit dem Evangelischen Friedhofsverband Berlin-Mitte einen neuen, äußerst aktiven Mitstreiter für die zukünftige Quartiersentwicklung gefunden. Durch ihn wird vor allem auch zukünftig die Nutzung der Friedhofsflächen zum Wohle der Allgemeinheit sichergestellt.
Auch die Ansiedlung neuer Akteure wie des Bundesverbands der Deutschen Gartenfreunde, des Hauses des Gemeinnützigen Journalismus und der „Spore Initiative für den Einklang von Natur und Kultur“ der Schöpflin Stiftung sorgen für eine langfristige Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner in die Entwicklung ihres Kiezes. Insgesamt wird der Friedhofsverband noch mindestens 15 Jahre aktiv die Flächen im Kiez mitentwickeln und die Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner mit vielen Projekten wie Nachbarschaftsgärten und neuen Spielflächen sicherstellen.

Die Redaktion des Dachportals bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen bedankt sich herzlich beim Quartiersmanagement Schillerpromenade für die Beantwortung der Fragen. Wir haben einen Einblick in die Planungen der nächsten zwei Jahre und darüber hinaus erhalten und wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung!

Weitere Informationen zum Thema Verstetigung finden Sie hier.

QM Schillerpromenade/ Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen